Die Insel Sizilien


Scicli-1Sizilien liegt zentral im Mittelmeer und hatte für Jahrhunderte in der antiken Welt große strategische Bedeutung in Politik und Handel. Dementsprechend oft wechselten in Sizilien die Besatzer und Besitzer. Viele Kulturen prägten Sizilien, das alte Trinakria, teilweise gleichzeitig und oft für lange Zeit. Der antike Name Trinakria steht für die ungefähre Dreiecksform der mit circa 25.000 km³ größten Mittelmeerinsel.

An der Stiefelspitze gelegen, war und ist Sicilia nicht nur ein kultureller Schmelzofen zwischen Europa und Nordafrika. Auch geologisch ist die Insel ein Bindeglied der zwei Kontinente. Der öfters sehr aktive Ätna mit seinen zur Zeit 3340m Höhe im Osten Siziliens ist der höchste Vulkan Europas und samt Insel das 'Überbleibsel' der uralten Landbrücke zwischen Europa und Afrika. Besonders reizvoll sind auch die vielen kleinen Inseln und Inselgruppen rund um Sizilien. Im Nordosten die Liparischen oder Äolischen Inseln, von denen zwei, Stromboli und Vulcano ebenfalls noch aktive Vulkane sind, im Westen die Ägadischen und im Süden Siziliens die Pelagischen Inseln. Dazu kommen noch die Inseln Ustica und Pantelleria.


Strand-von-MarinaDie Landschaften Siziliens könnten unterschiedlicher nicht sein. Schnee auf dem Ätna erlaubt Wintersport, die unteren Hanglagen des Vulkans und die Tiefebene im Hinterland Catanias haben fruchtbarsten Boden und üppigste Vegetation. Es gibt Gegenden mit unüberschaubaren Plantagen voll mit Orangen-, Mandarinen- und Zitronenbäumen. Praktisch überall werden Olivenbäume kultiviert, dazwischen jede Menge Mandelbäume welche im Februar zur Mandelblüte alles in ein frühes Blütenmeer verwandeln. Einen besonderen Baum mit ebenso interessanten Früchten findet man in einem Küstenstreifen rund um Pozzallo, der schönen Stadt am Meer im tiefen Südosten. Es ist der Karubenbaum, auch Johannisbrotbaum genannt. Diesen, ebenso malerisch wachsend wie der Ölbaum, findet man nur hier und nur bis circa 20 km ins Land hinein. Im Süden von Westsizilien spürt man dagegen auf Schritt und Tritt Nordafrika. Eine aufregend schöne Gegend, Landschaft und Architektur wecken Gedanken an das nahe Tunis. Im Frühjahr explodiert die Insel förmlich in einer unbeschreiblich schönen Blütenpracht und im üppigen Grün. Im Sommer dann gewinnt das Karge, das Trockene im Landesinnern die Oberhand. Um so mehr leuchtet die vor Kraft und Farbe strotzende Bougainville aus jeder Ecke.

In Sizilien sollte man ein ganz besonders aufwühlendes, ein paar Mal im Jahr wiederkehrendes Ereignis unbedingt einmal miterleben. Manche Menschen verfluchen ihn und andere, solche wie meine Frau und ich lieben ihn, den heißen Wüstenwind Scirocco mit seiner ungestümen Kraft. Er hat Sand aus der nahen Sahara dabei und besonders an der Südküste auch schon mal warme 40° Temperatur. Wenn er über die Insel herfällt, bleibt er ein paar Tage und verschwindet dann wieder so schnell wie er gekommen ist. Der Sand ist überall, in der Kleidung, zwischen den Zähnen oder zu Dünen angehäuft um Marsala und Menfi herum. Bei Scirocco gibt es genau zwei Möglichkeiten zu reagieren. Man kann sich verkriechen oder so wie wir, sich ihm entgegenstellen. Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, eine Art Glückshormon, jedesmal aufs Neue. Aber nur wenn man es fertig bringt, seinen Frieden mit dem Scirocco zu machen.

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