Una notte siciliana

Es geht uns gut. Soeben haben wir auf der Terrasse zu Abend gegessen, es ist halb elf Uhr in der Nacht und die Zikaden zirpen monoton rundum. Der Jasmin duftet betörend, es ist Sommer in Sizilien. Richtung Süden, drei Kilometer entfernt, glitzert silbrig das Mittelmeer am dunklen Horizont. Nochmal neunzig Kilometer weiter südlich liegt Malta mit Gozo, unsichtbar zwar, aber in Gedanken gegenwärtig.

Pozzallo bei NachtWir möchten nach Pozzallo fahren, eine passeggiata machen mitten in der Nacht, in unserer Stadt direkt am Meer. Vier Kilometer sind es bis dahin. Von der Terrasse aus sieht man den orangegelben Schein des beleuchteten Pozzallo. Wir fahren beinahe im Schritttempo, haben die Seitenfenster offen und schnuppern die Düfte der Sommernacht. Über den Hafen erreichen wir den Stadtrand, gleich am Beginn des Lungomare stellen wir das Auto ab und gehen zu Fuß weiter. Rechterhand das Meer, links die Stadt. An Fischrestaurants vorbei erreichen wir den Strand und den Platz Raganzino, einen beliebten Treffpunkt von Jung und Alt. Dort an der Promenade vor einer Bar sitzen die Gäste im Freien. Im gelben Licht der Laternen trällert eine Karaokesängerin ihr Lied in die Nacht, wir lauschen verzückt. Eine Kulisse zum Filme drehen.

Der Lauftext auf einer neongrünen Apothekenreklame zeigt auch um diese Zeit noch warme 28°C, kein Problem hier an der Küste. Es weht fast immer ein leises Lüftchen, schwül ist es nicht.

Heute Nacht ist Markt in Pozzallo. Das übliche Angebot, Schuhe und Leder, Textil, Schmuck, Keramik, Tand und Kitsch. Die Marktstände beginnen hier am Raganzino und reichen, aufgereiht wie eine Perlenkette, immer am Lungomare entlang bis zur eigentlichen Altstadt von Pozzallo. Wir tauchen ein in dieses besondere Ambiente, hunderte Menschen schieben sich aneinander vorbei. Gefühlt alle Kinder dieser Stadt wuseln vergnügt durch die Menge der Erwachsenen. Die Kleinsten thronen auf den Schultern ihrer Väter, halten Ausschau oder dämmern in den Schlaf. Wohlgemerkt, es ist fast Mitternacht. Die zauberhafte Geräuschkulisse lullt uns ein. Alle paar Meter gibt es einen anderen Musikmix, komponiert von den Radios der Markthändler. Nordafrika schwingt mit, Tunis ist nicht weit. Auch als wir den Markt hinter uns haben und die malerische Piazza della Rimembranza erreichen, den Platz der Errinnerung, scheint die halbe Stadt noch auf den Beinen zu sein. Viele hohe Palmen prägen das Bild, es müssen an die fünfzig sein. Es ist unglaublich schön hier. Das warme Laternenlicht spiegelt sich im Meer. In einer Bar trinken wir eine Kleinigkeit, setzen uns auf eine der vielen Bänke der Piazza und genießen das fröhliche Hin und Her der Nachtschwärmer.

Der mächtige, alterwürdige Torre Cabrera neben uns bewacht wie immer seine Stadt. Wir könnten hier den Morgen erwarten. Bevor wir zu sehr ins Träumen kommen, machen wir uns wieder auf den Weg nach Hause.

Mitternacht ist längst vorüber. Wir sitzen auf unserer Terrasse und beschließen tollkühn ein Glas Wein zu trinken. Die Situation verlangt danach. Man könnte noch alles mögliche unternehmen und spürt, diese Nächte sind zu schade zum Schlafen.

Wir hängen unseren Gedanken nach. Gelöster kann keine Stimmung sein. Es geht uns sehr gut.

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